Bericht über die erste Probierstube

Bei unserem letzten GSA Stammtisch hat mich Michael Rossié angeregt, ein paar Worte zu schreiben über die von mir organisierte Probierstube für Mitglieder der GSA. Hier sind sie. Der folgende Text ist eine Mischung aus konzeptionellen Überlegungen und ganz konkreter Erfahrung mit der ersten durchgeführten Probierstube.

Was ist die Probierstube?

Die Probierstube ist ein Format, das ich mir ausgedacht habe, um in spielerischer Weise durch einfaches Ausprobieren Erfahrungen zu sammeln mit Business Apps / Business Tools. Der Chair (in diesem Fall ich) stellt eine Reihe von Apps zusammen, die alle derselben Gattung angehören bzw. einem ähnlichen Verwendungszweck dienen. Der Chair erstellt einen Ablaufplan und moderiert durch die Veranstaltung. Für die erste Probierstube habe ich eine Sammlung von neun Apps ausgewählt, die sich alle als Filminar- oder virtuelle Konferenztools bezeichnen lassen. Filminar ist das hier verwendete Kunstwort, da man W*binar aus rechtlichen Gründen nicht mehr schreiben darf. Ich verwende es hier nur noch bei Eigennamen.

Ursprünglich hatte ich überlegt, dass ich mir eine Probierstube z.B. zu folgenden Anwendungszwecken vorstellen könnte:

  • Filminar (1-to-many) vs Videokonferenz/Videomeeting (few-to-few)
  • Bots (Empfang und Vorselektion von Besuchern der Website)
  • Fragebogentools (z.B. für Kundenbefragungen oder wissenschaftliche Erhebungen)
  • Content Marketing Tools (Content schreiben)
  • Content Marketing Tools (Content verteilen / Scheduling)
  • Cold outreach (Personalisierte automatische Ansprache von Kaltkontakten)
  • Events (Tools zum Planen und Verwalten von Events, z.B. Anmeldungen)
  • Membership Sites für Onlinekurse
  • Streaming Tools
  • Landing Page Builder und Quickvideo-Tools (Letzteres Wort habe ich mir ausgedacht für Tools, die mit wenig Aufwand Videos produzieren, dann vollautomatisch eine Landingpage bauen und diese wiederum automatisch publik machen.)
  • Screening Tools zur Verwaltung von Online Reputation bzw. Brand Reputation

Warum sollte man überhaupt an der Probierstube teilnehmen?

Die Teilnahme ist interessant für diejenigen, die sich gerne ein eigenes Urteil bilden durch Ausprobieren. Es entspricht der sprichwörtlichen Haltung: “Gut, dass wir verglichen haben!” Konkret bei den Filminar- und virtuellen Konferenztools könnte man natürlich die Position vertreten: “Warum Neues ausprobieren, wo sich doch sowieso Zoom und MS Teams als weltweiter Standard etablieren werden?” Diese Sichtweise ist legitim. Auf der anderen Seiten sprechen aber auch Argumente für das Austesten alternativer Apps:

  1. Jede App hat eigene Stärken und Schwächen. Je nach Anwendungsfall wird die eine oder andere App jeweils die am besten geeignete sein. Manche Apps können Dinge, die Zoom nicht kann.
  2. Es ist noch nicht endgültig ausdiskutiert, was das aktuelle EuGH-Urteil zum Thema Privacy Shield für unseren Business-Alltag bedeutet. Ich kenne Menschen, die in Sachen Datenschutz erheblich tiefer in der Materie sind, als ich es bin, und denen zufolge die Nutzung von Anbietern aus den USA für den deutschen Geschäftsverkehr nicht legal darstellbar ist. Unter Schmerzen trennen sie sich gerade von vertrauten Apps (wie z.B. Zoom und Active Campaign) und liebgewonnenen Funktionen, um sich nach alternativen Anbietern aus anderen Ländern umzusehen. Auch wenn hier das letzte Wort noch nicht gesprochen ist, erscheint es doch hilfreich, sich zumindest als Fallbacklösung mit Non-US-Alternativen vertraut zu machen. 8 der 9 von mir ausgewählten Apps kommen aus Non-US-Ländern, größtenteils aus der EU. 

Welche Tools wurden in der ersten Probierstube angeboten?

Filminartools sind darauf optimiert, möglichst viele Menschen gleichzeitig zu erreichen. Konferenztools sind darauf optimiert, möglichst vertraulich in kleiner Runde miteinander zu kommunizieren. Die folgenden Apps sind wir in dieser Reihenfolge durchgegangen.

Einstieg und Treffpunkt

Filminar ohne Streaming

  • Webinar Ninja (Filminartool aus Australien mit speziellem Jeff Walker Launch Feature, für Live-Shows, Vorproduzierte Shows, Launch-Serien & Hybrid-Filminare). Nähere Info: https://jo.my/webinarninja *

Filminar mit Streaming

  • LiveWebinar (Kombi Filminar und Streaming aus Polen, bis zu 200 Teilnehmer im Tool, bis zu 15h Aufnahme). Nähere Info:  https://jo.my/lwebinar
  • Be-Live (TV-Studio aus Israel mit Talk Show Feature für bis zu vier sichtbare Gäste simultan, Verteilung ausschließlich über Streaming). Nähere Info: https://jo.my/be-live *
  • Eyeson (Kombi Filminar und Konferenztool aus Österreich). Nähere Info: https://jo.my/eyes-on *

Videokonferenz / Videomeeting

  • Vectera (Virtueller Konferenzraum mit automatischer Terminvereinbarung aus Belgien). Nähere Info: https://jo.my/vectera *
  • Meetfox (Virtueller Konferenzraum mit automatischer Terminvereinbarung aus Österreich). Nähere Info: https://jo.my/meet-fox *
  • 24 Sessions (Virtueller Konferenzraum mit automatischer Terminvereinbarung aus Holland). Nähere Info: https://jo.my/sessions
  • Meetvio (Unsere Wildcard im frühen Entwicklungsstadium, kann sowohl Konferenzen als auch Filminare mit bis zu 500 Teilnehmern plus Streaming aus Hongkong). Nähere Info: https://jo.my/meetvio

Ablauf

Am Mittwoch, dem 29.7.2020 haben wir uns abends virtuell zusammengefunden zur ersten Probierstube. Wir waren acht GSA Member, d.h. sieben Tester und ich (Stephan Meyer) als Chair. Jeder Teilnehmer hatte parallel vier Anwendungen offen:

  1. Die gerade zu testende App. Wir sind der Reihenfolge nach in jede App gemeinsam eingestiegen, haben kurz ein paar Funktionen ausgetestet und sind wieder raus, um uns in der nächsten App wiederzutreffen.
  2. MS Teams als Textchat, um den roten Faden aufrechtzuerhalten. Wer zwischendurch verloren ging, konnte durch Teams wieder eingesammelt werden. Über Teams stellte ich aktuelle Links bereit und konnte zwischendurch auftretende Fragen beantworten.
  3. Ein Ablaufplan auf Google Tabelle. In dieser Übersicht waren alle Apps der Reihenfolge nach aufgeführt mit ein paar von mir recherchierten Begleitinformationen (ohne Gewähr). Wer sich das einmal ansehen will, findet hier die original verwendete Tabelle:  https://jo.my/jfos0y
  4. Feedier als Umfragetool. Die Teilnehmer konnten jedes Tool bewerten, während sie noch drin waren und unmittelbar nachdem sie erste Eindrücke gesammelt hatten. Pro App gab es nur zwei Fragen, um den Aufwand möglichst gering zu halten. Die erste Frage erhob den NPS Wert. Die zweite Frage bot per Freitext die Option, weitere Kommentare zu hinterlassen.

Die Teilnehmer konnten sich über folgende Aspekte ein eigenes Urteil bilden und darauf aufbauend im Fragebogen ihre Meinung hinterlassen:

  • Verbindungsaufbau: Wie gut kommt man rein?
  • Kommunikation: Wie gut kann man miteinander reden?
  • Teaching: Wie gut kann man präsentieren und Wissen vermitteln?
  • Terminvereinbarung: Wie einfach ist es, einen Termin für das Videotool zu buchen?

Learnings

  • Nicht nur für die Teilnehmer, sondern auch für mich als Host der einzelnen Videomeetings waren zahlreiche Überraschungen dabei. Manche Apps waren intuitiv zu bedienen, einige wirkten aber auch wenig durchdacht und ziemlich benutzerunfreundlich. Herausfordernd war zum Beispiel, bei jedem Tool aufs Neue herauszufinden, wie man sein Mikro stummschaltet, damit nicht alle durcheinander reden. 
  • Nach der Durchführung erhielten alle Teilnehmer eine umfangreiche Gesamtauswertung der Befragung. Nicht überraschend schnitt in den Fragebögen Zoom als bestes Tool ab. Zum einen ist es einfach sehr weit entwickelt. Zum anderen haben sich alle Teilnehmer bereits intensiv daran gewöhnt. Dementsprechend ungewohnt empfanden die Teilnehmer einige der anderen Apps. Manche Anwendungen hinkten in ihrer Entwicklung auch deutlich hinterher. Dennoch gab es ein paar Apps, die unter den Teilnehmern ein paar Befürworter finden konnten. Hier sind insbesondere das Filminartool “Webinar Ninja” zu nennen, sowie das Konferenztool “Vectera”.
  • Der Vorbereitungsaufwand war erheblich größer, als ich mir vorab ausgemalt hatte. Einen Ablaufplan aufzustellen, alle Tools im Vorfeld einmal vorzubereiten und zu testen und insgesamt die Wahrscheinlichkeit zu senken, dass während der Probierstube etwa schiefgehen konnte, war doch nicht zu unterschätzen. 
  • Trotz aller Vorbereitung hat dieses Format einfach viele bewegliche Teile, die die volle Konzentration des Hosts erfordern. Vom Einsammeln vorübergehend verlorengegangener Teilnehmer bis zum Kompensieren von Funktionen, die vorher beim Testen noch bestens geklappt haben, war alles dabei.
  • Meine grobe Schätzung, dass wir für die neun Tools maximal 1,5 h brauchen würden, war etwas optimistisch. Tatsächlich haben wir 2,5 h benötigt. Zum Glück waren die meisten Teilnehmer voll motiviert und bis zum Ende dabei. Das nächste Mal würde ich weniger Apps pro Session testen, auch um die Geduld der Teilnehmer nicht zu sehr zu strapazieren.
  • Die kleine Teilnehmerzahl für diese Probierstube war optimal, da manche Konferenzapps ohnehin nur wenige Teilnehmer pro Session gleichzeitig zulassen. Würde man eine Probierstube für Apps anderer Zielsetzung machen, wären aber auch größere Teilnehmergruppen denkbar.

Teilnehmer-Feedback

Die Probierstube ist eine gute Gelegenheit, um Konferenz-Apps aus Teilnehmer-Sicht zumindest “quick and dirty” kennenzulernen und einen ersten Eindruck zu Übersichtlichkeit und Bedienung zu bekommen. Stephan Meyer hatte das sehr gut vorbereitet und das Testen im Team war interessant und aufschlussreich. 

Es wäre zwar noch ein bisschen interessanter gewesen, es auch aus Sicht des Hosts zu sehen; allerdings spielt dies keine Rolle mehr, wenn es schon aus Sicht des Teilnehmers keine performante und angenehm zu bedienende Software ist. 

Von daher war es insgesamt eine tolle Idee – und sehr gut umgesetzt.

Klaus Siedenhans 

Ich fand es ungeheuer spannend, auch wenn ich zu spät kam, früher abberufen wurde und zwischendrin verloren ging 🙂 Keins lag an meiner Motivation. Es ist eine enorme Bereicherung, mal andere Tools kennenzulernen und dadurch auf ganz andere Ideen zu kommen! Bei der nächsten Probierstube werde ich wieder mit an Bord sein. 

Astrid Brüggemann

*= Affiliate Link

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Name *