Kaisers neue Kleider

Des Kaisers neue Kleider

In unserer Redaktionsbesprechung haben wir beschlossen, den kommenden Wandelpodcast zum Thema „Des Kaisers neue Kleider“ zu gestalten. Es geht um eine Form des Wandels, die genau genommen keine ist. In anderen Worten: Der Kaiser ist nackt!

Als kleinen Vorgeschmack auf den Podcast versuche ich jetzt mal, mich dem Thema auf künstlerische Weise anzunähern. Dies ist ein Experiment. Ich habe dazu ein recht eigenwilliges Gedicht gefunden, das das alte Thema des Kaisers und seiner Kleider neu interpretiert. Man könnte meinen, dieses Gedicht erklärt vieles, was derzeit um uns herum vorgeht. Ich empfehle, es erst einmal zu lesen und in sich einwirken zu lassen. Weiter unten verrate ich, wer es schrieb und was es damit auf sich hat.

Des Kaisers neue Kleider

Nun, ich bin der Mann mit dem Betrug
Und obwohl ich noch nie einen Stich genäht habe,
Bin ich auf etwas gestoßen,
Das mich garantiert reich machen wird.
Alles, was ich tun muss ist, einen kaiserlichen Schwachkopf zu täuschen.

Du wirst nie keine Kleidung sehen
Wie Du diese nicht sehen wirst.
Jeder Zentimeter Nadelstich fehlt,
Von Deinem Hut bis zu Deiner Hose,
Und wenn eines dieser Hosenbeine
Ein Loch hat:
Es ist nicht so, als ob jemand
Das bemerken würde.

Des Kaisers neue Kleider
Sind fein
Du wirst nie etwas Feineres sehen.
Nichts ist wie diese
So richtig,
Dass Du nie etwas dergleichen sehen wirst, nichts dergleichen.

Ich bin gerade in die Stadt gekommen.
Ich habe mich kurz umgesehen.
Ich habe gehört, Du benötigst einen Anzug.
Das ist die Gelegenheit!
Denn ich bin der Mann, den Du brauchst.
Ich mache Dir ein paar Tweeds.
Ich mache sie, so dass sie
Magisch und schön sind, das ist unwiderlegbar.

Nur Philister
Können diese Dinge sehen,
Vom Teddy Bär Pyjama
Bis zu den Nippelringen,
Und nicht mit mir übereinstimmen:
Dies ist ein Anzug wie kein anderer!

Sie werden gaffen und glotzen,
Sie werden stottern und starren,
Denn der Stoff ist so fein,
Es ist so, als ob er gar nicht da wäre.
Du gibst ihnen einen Nervenkitzel,
Den sie nie überwinden werden.
Wenn ich das überstehe,
Werde ich wie Gott in Frankreich leben.

Des Kaisers neue Kleider
Sind richtig
Du wirst nie etwas Richtigeres sehen.
So überbelichtet,
So hell,
Dass Du nie das Licht sehen wirst, das Licht.

Heute ist der Tag,
An dem ich mein Spiel machen werde.
Ich stelle meine Schöpfung auf die Hauptbühne.
Und ich könnte vielleicht ein wenig verlieren
Oder aber einen Riesengewinn einfahren.

Sie haben die Köpfe der SLA, der NRA
Der Sendero Luminosa und der CIA,
Mindestens einen von jeder Sorte,
Teufelskerl und hohes Tier.
Sie kommen alle herbei
Und treffen sich auf der wilden Party.

In des Kaisers neuen Kleidern,
In Ordnung!
Du wirst nie etwas Feineres sehen.
Nichts ist wie diese
So richtig,
Dass Du nie etwas dergleichen sehen wirst, nichts dergleichen.

Das Gedicht stammt im Original von Alan Morse. Es ist ein Song der Band „Spock’s Beard“. Der Titel „The Emperor’s Clothes“ ist eine Anspielung auf das gleichnamige Märchen des dänischen Schriftstellers Hans Christian Andersen. Die Übersetzung kommt aus meiner Feder. Ich habe versucht, in etwa ein Gleichgewicht zu halten zwischen wortgetreuer und sinngemäßer Übersetzung.

Hier kann man die Band sehen, wie sie auf einem Live-Konzert den Titel spielt. Die Spielfreude dabei ist ihnen anzusehen.

Wer den Titel gerne öfters hören möchte, bekommt ihn als CD oder als Download.

Dann bleibt mir nur noch, die Podcastfolge “Des Kaisers neue Kleider” zu empfehlen.

Wandelpodcast

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